Organisationen und Stress
Psychodynamik im Organisationskontext

Quelle: Klaus Eidenschink (www.hephaistos.org)
Audiosalon Good Work by Jule Jankowski:
Organisationen in der Krise: Wenn Psychodynamiken das System lenken. (292)
7 weiter Top-Erkenntnisse von Klaus Eidenschink
Quelle: Eidenschink, K., 2025. Selbstversklavung an Lebensideale – Georgiy Michailov trifft Klaus Eidenschink, SMP LeaderTalks, Folge #120, 19 November. Verfügbar unter: https://www.struktur-management-partner.com/leadertalks/episode/selbstversklavung-an-lebensideale
1. Die Welt ist widersprüchlich. Und das ist kein Fehler.
Viele von uns suchen nach klaren, endgültigen Wahrheiten. Klaus Eidenschink erinnert daran, dass die Welt voller Rätsel, Ambivalenzen und Spannungen ist. Wer Komplexität vereinfachen will, zerstört oft genau das, was Leben ausmacht. Reife beginnt dort, wo wir Mehrdeutigkeit ertragen und nicht vorschnell in schwarz oder weiß auflösen.
„Die Welt ist nicht klar und eindeutig, sondern voller Rätsel, widersprüchlich, ambivalent, vieldeutig, unbestimmt.“
2. Selbstoptimierung kann getarnte Selbstablehnung sein.
Der Satz „Werde die beste Version deiner selbst“ klingt modern und positiv. Eidenschink zeigt die Kehrseite. Ideale sind nie erreichbar und nähren einen permanenten inneren Druck. Ziele geben Orientierung, Ideale versklaven. Wer sich ständig an einem perfekten Bild misst, verliert den Kontakt zu sich selbst und lebt in einem stillen Dauerstress.
„Werde die beste Version deiner selbst klingt pädagogisch nett, ist im Kern aber Selbstversklavung unter ein Bild.“
3. Echte Bedürfnisse statt Anerkennungsjagd
Viele Menschen verwechseln Bedürfnisse mit dem Wunsch nach Reaktion von außen. Gesehen werden wollen ist keine Bedürfnisaussage. Sich zeigen ist eine. Bedürfnisse sind immer aktiv und riskant. Sie machen verletzlich und lernfähig. Wer seine Bedürfnisse mit Anerkennung verwechselt, jagt Likes, Status und Applaus hinterher und verliert dabei den Zugang zu dem, was ihn wirklich nährt.
„Es gibt streng genommen kein Bedürfnis, geliebt zu werden, sondern ein Bedürfnis zu lieben.“
4. Frustrationskompetenz ist Freiheitskompetenz.
Wir leben in einer Verwöhnkultur. Vieles ist jederzeit verfügbar. Genau das untergräbt unsere Fähigkeit, Enttäuschungen auszuhalten. Freiheit entsteht nicht dadurch, dass alle Wünsche erfüllt werden, sondern dadurch, dass wir nicht von ihrer Erfüllung abhängig sind. Wer Frust nicht erträgt, macht sich zum Opfer seiner Wünsche.
„Man fängt an, eine Selbstfesselung zu betreiben, wenn man sich angewiesen fühlt, das zu kriegen, was man möchte.“
5. Erlebensqualität statt Bucketlist
Wir sammeln Erlebnisse wie Trophäen, aber oft fehlt das Erleben selbst. Viele haken Reisen, Events und Ziele ab, ohne innerlich wirklich anwesend zu sein. Tiefe entsteht nicht durch mehr Reize, sondern durch mehr Präsenz im Moment. Wer lernt, in einem Atemzug, einem Waldweg, einem Gespräch ganz da zu sein, investiert in Lebensqualität, nicht in Symbolik.
„Das eigentliche Drama ist, wie wenig Menschen in ihre Erlebnistiefe investieren und stattdessen in Mittel der Bedürfnisbefriedigung.“
6. Führen heißt, bewusst tödliche Entscheidungen zu treffen.
Organisationen sind um Konflikte herum gebaut. Führung heißt nie, es allen recht zu machen. Wer führen will, braucht die Fähigkeit, sachliche, soziale und zeitliche Tode in Kauf zu nehmen, ohne sich in Allmachtsfantasien zu verlieren. Gute Führung reguliert Spannungen, sie löst sie nicht auf.
„Führen heißt immer zu entscheiden, welchen Tod ich sterbe. Gegen was entscheide ich mich, wen verärgere ich und welches Risiko gehe ich ein.“
7. Gutes Coaching macht nicht brav, sondern unbequem.
Der Coachingmarkt explodiert, aber nicht jede Unterstützung ist hilfreich. Ein guter Coach übernimmt nicht einfach das Anliegen des Klienten, sondern stellt den Bezugsrahmen selbst infrage. Wirkungsvolles Coaching konfrontiert, irritiert und fördert Bescheidenheit statt Allmachtsfantasien.
„Ein Coach, der wirklich hilft, muss auch unangenehm werden. Wenn er das nicht innerhalb der ersten drei Stunden tut, sollte man gehen.“